Jetzt
im Augenblick sein!

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Meine Bilder sind Rückzugsort, Verweilen und Aufbruch zu Meditation und Gelassenheit. Mein Sohn hat mir die Chance gegeben, mit einem neuen Blick jeden Moment des Lebens zu genießen. 

Besonders, anders, nicht angepasst, immer in Bewegung und dank Autismus, FASD und Tourette ist jeder Tag ein Abenteuer. Wir wissen nie, wie der Tag wird, was der nächste Moment bringt.

 

Planungen werden minütlich geändert, wenn man mit diesen Flow mitgeht, erlebt man Unglaubliches, wird kreativ, impulsiv und braucht auch einen Raum, um einfach wieder man selbst zu sein. 

Wir haben unseren Weg damit gefunden, ich im Malen, mein Mann im Schreiben und unser Sohn ist der Stubensturm, der uns aufmischt, zum Lachen und Weinen bringt und damit Kreativität freisetzt. 

Kommt mit an meinen Zeichentisch!
Einmalige Bilder sind in Zusammenarbeit mit meinem Sohn entstanden.

Leben mit FASd

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Mit Hitler im Panzermuseum


Wir gehen normalerweise nicht ins Museum.

 

Warum?

Weil uns immer Tourette, Autismus, ADHS, FASD und eine gestörte Impulskontrolle begleiten. Das ist Fiete, unser Sohn, er hat Superkräfte und bringt uns zum Lachen und Weinen, fordert uns heraus und zeigt uns, wie seine Welt aussieht.


Begleitet uns heute ins Panzermuseum. Seit zwanzig Jahren fahren wir auf dem Weg zu Oma und Opa immer wieder an dem Schild vorbei, das zum Museum weist. Ihr wisst schon, auf der A7 von Hamburg nach Hannover. Panzermuseum wir kommen.


Am Eingang zahlen wir weniger, denn wir haben diesen Superheldenausweis, der uns den Eintritt vergünstigt. Ich bin gespannt, freue mich auf ein neues Abenteuer und bin auch nervös. Zum Glück haben wir Corona und alle tragen Masken, da wird man nicht so gut verstanden.


Erster Panzer und Fiete schreit: "Heil Hitler, die Nazis kommen!“

O Mann, ich wusste, der Tag wird besonders. Da hilft es nicht zu sagen, benimm dich und reiß dich zusammen. Das versteht das Superkräftetourette nicht, die gestörte Impulskontrolle schiebt sogar noch ein „Fick dich!“ hinterher.

 

Fiete ist aufgeregt und wir, wir sind die Herren der Lage, soweit es eben geht. Unsere Nackenhaare sträuben sich und wir schwanken zwischen „Oh, hat uns einer gehört?“ und "Klasse, unser Sohn ist in seinem Element und darf seine Superkräfte auch an diesem Ort nutzen."

 

Man darf, wie immer, nichts anfassen und schon gar nicht irgendwo reingehen, für unsern Helden der Geschichte ein klarer Minuspunkt. Was soll das denn?

 

"Deutschland, Deutschland!", schreit das Kind, "Wir kommen!" - ein Panzer nach dem anderen, wir werden immer schneller. Herbert und ich sind bemüht gelassen. Wir sind froh, dass wir endlich im Urlaub auch mal was ansehen und Fiete daran Spaß hat, aber wir sind auch wachsam und müssen das Außen im Blick haben.

 

Denn nicht viele Menschen verstehen unsere Welt. In unserer Welt steht Fiete im Mittelpunkt. Er hat diese vielen Superkräfte, er liebt Worte, die andere nicht sagen dürfen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Er ist laut und schnell und besonders, aber man sieht es im nicht an.

 

Das macht geistige Behinderungen so schwer zu verstehen. Von außen ein Junge in der Pubertät und von innen mal sieben Jahre und mal achtzehn Jahre alt. Im Verhalten gerne beides auf einmal und ständig wechselnd in jedem Moment.

 

Ja, mein Kind darf mich in der Öffentlichkeit "Fotze" nennen, dann weiß ich, für ihn war das zu viel und er braucht dringend seine gewohnte Umgebung, in der er sich auskennt und sicher fühlt.

 

Finde ich das gut? NEIN!

 

Kann ich es ändern? NEIN!

 

Aber ich kann achtsam mit unseren Aktivitäten umgehen und versuchen, immer alles im Blick zu behalten. Das bedeutet: Ich untersuche, was vor der Situation war, was jetzt ist und was gleich passieren wird.

 

Kann ich das? Nein, definitiv nicht.

 

Ich kann nur mein Bestes versuchen und jeden Moment genießen.

 

Wird unsere Umwelt uns je verstehen? Ich denke nicht.

 

Wenn ihr uns seht, dann freut euch, dass wir da sind. Verurteilt uns nicht, sondern legt euch mit uns auf den Boden im Einkaufszentrum, weil das gerade notwendig ist.

 

Ja, mein Sohn nimmt Hitler mit ins Panzermuseum und wir brauchen nur 23 Minuten. Wir lesen auch keine Tafeln oder befassen uns mit irgendetwas länger als eine Minute, außer es trifft Fietes Interesse. Dann gehen wir zum Beispiel zwei Stunden angeln oder spazieren über den Ohlsdorfer Friedhof.

 

Das sind wir: Eine ganz normale Heldenfamilie.